Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.
Sexueller Missbrauch von Kindern

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

Sexueller Missbrauch von Kindern liegt vor, wenn eine sexuelle Handlung an einem Kind vorgenommen wird, oder wenn das Kind sexuelle Handlungen an einem Erwachsenen vornimmt.

Ein Kind in diesem Sinne ist dabei jede Person unter 14 Jahren.

Ab Beginn des 15. Lebensjahres kommt eine Strafbarkeit wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen gemäß § 182 StGB in Betracht.

 

Erforderlichkeit eines objektiven Sexualbezuges und Erheblichkeit

Wann eine sexuelle Handlung vorliegt, kann im Einzelfall sehr schwer zu beurteilen sein. Der Begriff der sexuellen Handlung ist gesetzlich nicht definiert.

Ganz entscheidend ist, dass die Handlung objektiv betrachtet einen sexuellen Bezug aufweist. Außerdem muss die Handlung erheblich sein.  Dabei ist auf das allgemeine Verständnis abzustellen. Eine sexuelle Motivation des Handelnden ist dabei nicht erforderlich, solange die Handlung objektiv einen Sexualbezug aufweist.

Problematisch sind solche Handlungen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können. Für eine Strafbarkeit ist dann erforderlich, dass die Handlung von einer sexuellen Motivation getragen ist.

Zudem muss die sexuelle Handlung auch erheblich sein.

Die Rechtsprechung geht davon aus, dass dies dann gegeben ist, wenn die Handlung „nach Art, Intensität und Dauer eine sozial nicht mehr hinnehmbare Beeinträchtigung bedeutet".

Im Alltag kommt es häufig zu körperlichen Kontakten zwischen Erwachsenen und Kindern. Doch kann nicht jeder dieser Kontakte gleich zu einer Strafbarkeit wegen sexuellem Kindesmissbrauch führen.

Als sozial hinnehmbar wird demnach beispielsweise gewertet, ein Kind auf den Schoß zu setzen, es in den Arm zu nehmen oder es umzuziehen. Diese Handlungen sind nicht geeignet, die sexuelle Selbstbestimmung eines Kindes nachhaltig zu schädigen.

Bereits bei der Beurteilung, ob eine erhebliche sexuelle Handlung vorliegt oder nicht, liegt ein großer Beurteilungsspielraum vor.

Daher ist es wichtig, sofort einen erfahrenen Rechtsanwalt für Sexualstrafrecht zu konsultieren, falls ein solcher Vorwurf im Raum steht! Eventuell ergibt sich bereits nach kurzer Prüfung, dass bereits keine sexuelle Handlung vorliegt.

 

Strafbare Handlungen mit Körperkontakt

Wer eine erhebliche sexuelle Handlung an einem Kind vornimmt oder von ihm an sich vornehmen lässt, wird nach § 176 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

Ebenso wird nach § 176 Abs. 2 StGB bestraft, wer ein Kind dazu bestimmt, dass es eine sexuelle Handlung an einer anderen Person vornimmt oder von dieser an sich vornehmen lässt.

Bei der anderen Person kann es sich ebenfalls um ein Kind handeln.

Um ein Kind zur Vornahme oder Duldung einer sexuellen Handlung zu bestimmen, ist erforderlich, dass der Täter zuvor willentlich und unmittelbar auf das Kind eingewirkt hat.

Für eine Strafbarkeit nach § 176 Abs. 1, Abs. 2 StGB ist Voraussetzung, dass ein Körperkontakt stattgefunden hat.

 

Sexueller Kindesmissbrauch auch ohne Körperkontakt möglich

Für die Tatvariante des § 176 Abs. 4, Abs. 5 StGB ist dagegen kein Körperkontakt erforderlich:

 

1. sexuelle Handlungen vor einem Kind

Es ist gemäß § 176 Abs. 4 Nr. 1 StGB strafbar, eine sexuelle Handlung vor einem Kind vorzunehmen.

Dabei ist es unerheblich, ob diese sexuelle Handlung an sich selbst oder an einer anderen Person vorgenommen wird.

Die Vornahme einer sexuellen Handlung ist beispielsweise das Onanieren vor einem Kind.

Das Kind muss diese sexuelle Handlung jedoch wahrnehmen. Hierbei muss es ihm jedoch nicht bewusst sein, dass eine sexuelle Handlung vorliegt.

Für eine Strafbarkeit nach § 176 Abs. 4 Nr. 1 StGB reicht es bereits aus, wenn die sexuelle Handlung beispielsweise von einer Webcam übertragen wird und das Kind die sexuelle Handlung am Bildschirm mitverfolgt.

Auch die akustische Wahrnehmung über Telefon reicht aus.

Zudem muss es dem Täter gerade darauf ankommen, die sexuelle Handlung vor dem Kind vorzunehmen.

Es reicht somit nicht aus, dass ein Kind nur zufällig Zeuge einer sexuellen Handlung wird – etwa weil die Eltern in beengten Wohnraumverhältnissen sexuelle Handlungen vornehmen und dabei in Kauf nehmen, dass ihr Kind sie dabei beobachtet.

 

2. Bestimmen eines Kindes zur Vornahme sexueller Handlungen

Ebenfalls strafbar ist es gemäß § 176 Abs. 4 Nr. 2 StGB strafbar, ein Kind zur Vornahme einer sexuellen Handlung zu bestimmen.

Das Kind muss die Handlung dabei nicht zwangsläufig an seinem eigenen Körper vornehmen.

Erfasst werden auch Fälle, in denen das Kind dazu veranlasst wird, sich vor dem Täter zu entblößen. Auch die Aufforderung in einer bestimmten aufreizenden Stellung zu posieren fällt darunter.

Die Handlung muss auch hier einen objektiven Sexualbezug aufweisen. Neutrale Handlungen, wie beispielsweise Duschen oder Baden, sind dagegen nicht erfasst.

 

3. Einwirken auf ein Kind durch Schriften zur Veranlassung sexueller Handlungen

Mit der Vorschrift des § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB wurde die Strafbarkeit deutlich vorverlagert. Sie soll unterbinden, dass Sexualstraftäter sich in „Chatrooms“ mit Kindern zu persönlichen, sexuell motivierten Treffen verabreden. Bereits das Anbahnen eines solchen Treffens wird unter Strafe gestellt.

Objektiv genügt es, wenn auf das Kind mittels „Schriften“ eingewirkt wird. Darunter fallen auch vorübergehende elektronische Datenspeicher sowie die gesamte Internetkommunikation. Auch Telefongespräche sind hiervon umfasst.

Die Schriften selbst müssen noch keinen sexuellen Inhalt haben. Jedoch muss der Täter damit beabsichtigen, das Kind zu einem späteren Zeitpunkt zu sexuellen Handlungen zu veranlassen.

Bestraft werden also bereits reine Vorbereitungshandlungen. Dass eine sexuelle Handlung tatsächlich stattfindet, ist gerade nicht Voraussetzung für eine Strafbarkeit nach § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB.

 

4. Einwirken auf ein Kind durch pornographische Abbildungen

Ebenfalls strafbar ist es gemäß § 176 Abs. 4 Nr. 4 StGB, mit pornographischen Abbildungen, Tonträgern, Telefonaten, Internetkommunikation oder Reden auf ein Kind einzuwirken.

Dazu bedarf es keiner räumlichen Nähe zu dem Kind. Das Kind muss den pornographischen Inhalt tatsächlich wahrnehmen können. Dass es die Sexualbezogenheit erkennt, ist nicht erforderlich. So ist das gemeinsame Anschauen eines Pornofilms strafbar.

Sozialadäquates Verhalten, etwa eine erstgemeinte Sexualaufklärung, ist hingegen nicht strafbar.

 

5. Anbieten oder Versprechen eines Kindes zum Missbrauch

Das Anbieten eines Kindes zum Missbrauch ist ebenfalls strafbar, § 176 Abs. 5 StGB.

Unter Anbieten fällt jede Erklärung eines Täters, dass er willens und in der Lage ist, ein Kind für einen sexuellen Missbrauch zur Verfügung zu stellen.

Dies muss auch nicht unmittelbar erfolgen. Es genügt bereits anzubieten, den Kontakt zu einer weiteren Person herzustellen, die das Kind dann zum Missbrauch zur Verfügung stellen soll.

Ohne Belang ist dabei, ob diese Erklärung der Wahrheit entspricht oder ob sie erst gemeint ist.

Auch das Versprechen, ein Kind für einen sexuellen Missbrauch „nachzuweisen“, ist strafbar.

Anders als beim Anbieten muss sich dies nicht auf ein bestimmtes Kind beziehen. Die grundsätzliche Zusage, ein noch nicht individualisiertes Kind zum sexuellem Missbrauch zur Verfügung zu stellen ist ausreichend.

 

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen

Auch der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen ist nach § 182 StGB unter Strafe gestellt.

Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Jugendliche – anders als Kinder – grundsätzlich in der Lage sind, freiverantwortlich über ihr Sexualleben zu bestimmen.

Daher muss für eine Strafbarkeit wegen sexuellem Missbrauch von Jugendlichen das Ausnutzen einer Zwangslage hinzutreten.

Eine solche Zwangslage ist beispielsweise gegeben, wenn sich der/die Jugendliche in wirtschaftlicher Not befindet oder wenn ein Jugendlicher aus seinem Elternhaus abhaut.

Ebenfalls strafbar ist es, als Volljähriger gegen Entgelt eine sexuelle Handlung an einem Minderjährigen vorzunehmen oder an sich vornehmen zu lassen.

Dabei ist unter „Entgelt“ nicht nur die direkte Zahlung von Geld zu verstehen, sondern auch etwa das Bereitstellen einer kostenlosen Unterkunft oder Essen.

Der sexuelle Kontakt zwischen einer Person über 21 Jahre mit einer Person unter 16 Jahren kann ebenfalls strafbar sein. Dies gilt, wenn der Minderjährige nur eingeschränkt selbstbestimmungsfähig ist.

Für eine Strafverfolgung bedarf es dann jedoch grundsätzlich eines Strafantrages des Minderjährigen oder – was wesentlich häufiger der Fall ist – der Erziehungsberechtigten.

 

Verjährung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen

Die Verjährungsfrist einer Tat richtet sich nach dem angedrohten Strafmaß.

Für den sexuellen Missbrauch nach § 176 Abs. 1 StGB beträgt das Strafmaß bis zu zehn Jahre.

Die Verjährungsfrist für diese Delikte beträgt ebenfalls zehn Jahre.

Sexueller Missbrauch nach § 176 Abs. 4, Abs. 5 StGB erfordert keinen körperlichen Kontakt mit dem Kind. Die Höchststrafe ist mit maximal fünf Jahren deutlich geringer.

Die Verjährungsfrist für solche Delikte ist nach fünf Jahren abgelaufen.

Grundsätzlich beginnt die Verjährungsfrist zu laufen, sobald die Tat beendet ist.

Beim sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ergibt sich jedoch die Besonderheit, dass die Verjährung gemäß § 78b Abs. 1 StGB ruht, bis das Opfer sein 30. Lebensjahr vollendet hat.

 

Die Fünf- bzw. Zehnjahresfrist beginnt demnach erst zu laufen, wenn das Missbrauchsopfer 30 Jahre alt wird.

 

Fälle des sexuellen Kindesmissbrauchs sind besonders brisant, da sie eine gewisse Erfahrung des Strafverteidigers voraussetzen. Insbesondere die Frage, ob eine sexuelle Handlung vorliegt oder nicht erfordert eine genaue Kenntnis der Rechtsprechung. Strafverteidigerin Eva Maria Krötz und der Fachanwalt für Strafrecht Dr. Vincent Burgert aus München haben bereits zahlreiche Verfahren wegen des Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs geführt und kennen die drohenden beruflichen und privaten Folgen. Oftmals ist das mediale Interesse an solchen Fällen groß, weshalb Sie bei den Vorwürfen auf erfahrene Rechtsanwälte für Sexualstrafrecht vertrauen sollten.

<Vergewaltigung | Sexualstrafrecht | Kinderpornographie>